Blog: Wahrhaftig sein ohne anzuecken? 4 Tipps zur Befreiung von alten Rollen

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In der letzten Zeit sehe ich um ich herum immer wieder ein Thema in verschiedenen Variationen:

Alte Rollen passen nicht mehr. All das, was lange in uns unterdrückt oder eingeschränkt war, will sich befreien. Und das ist gar nicht immer so einfach.

Ich sehe z.B. X, die immer bewusster wahrnimmt, dass die Rollen, die sie in ihrer Familie lange gespielt hat, ihr einfach nicht mehr „passen“, sie ist sozusagen über sie hinausgewachsen. Sie spürt immer mehr, was sie wirklich möchte, für welche Wahrheiten sie einstehen möchte. Und wenn sie diese „unbequemen“ Wahrheiten äußert, stößt sie auf Abwehr.

Ich sehe Y, der lange seine eigenen Bedürfnisse unterdrückt hat, um für andere da zu sein. Y gilt als angenehmer Mensch, weil er auf andere und ihre Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Doch plötzlich ist er nicht mehr bereit, seine eigenen Bedürfnisse ständig hintenanzustellen und handelt sich fürchterlichen Ärger ein.

Oder ich sehe Z, die immer bereit war, andere vor Ungemach zu bewahren oder gar zu „retten“ und dabei ihre eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund gestellt hat, und die jetzt Magendrücken bekommt, wenn sie sich weiterhin so verhält.

Warum nehmen wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht so wichtig?

Wenn wir keine Vorbilder hatten, die uns die Achtung der eigenen Bedürfnisse  selbstverständlich  vorgelebt haben, dann ist die Vorstellung, die eigenen Bedürfnisse wichtig zu nehmen, erst einmal sehr ungewohnt, wenn nicht sogar eine Zumutung.

Denn mit dem Gedanken, die eigenen Bedürfnisse vor die der anderen zu stellen, kommen Erinnerungen an Erfahrungen hoch, in denen wir als egoistisch, unsensibel, undankbar oder ähnliches bezeichnet wurden, vielleicht sogar als asozial.

Aufgrund dieser Erfahrungen haben wir gelernt, uns anzupassen, unsere Wahrheit nur sparsam zu äußern oder sie ganz zurückzuhalten. Wir haben die vorgelebten Rollen nachgeahmt und uns dabei mehr oder weniger verleugnet. Damit haben wir aber auch unsere Kraft des Seins unterdrückt. Und die drängt nun an die Oberfläche.

Alte Rollen verlassen – zwangsläufig ein Problem?

Je mehr diese Kraft der Wahrhaftigkeit, der Authentizität an die Oberfläche drängt, desto schwieriger wird es, alte Rollen weiterzuleben. Und gleichzeitig kommt eine große Angst hoch, die alten Erfahrungen zu wiederholen, wenn wir uns erlauben, wirklich zu uns zu stehen.

Zunächst einmal ist es jedoch ein positives Zeichen, wenn alte Rollen nicht mehr passen, denn d.h., dass wir gewachsen sind, vielleicht „erwachsener“ geworden sind.

Und das heißt auch, dass unsere Kraft sich zeigen will. Wenn unsere Mitmenschen noch nicht bereit sind, die eigene Kraft zu leben, so ist das höchst unbequem für sie, wenn wir es wagen, unsere Kraft zum Ausdruck zu bringen, unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen. Denn nichts ist ärgerlicher, als wenn jemand sich etwas zugesteht, was wir uns auch gern zugestehen würden, was wir uns aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht trauen, uns zuzugestehen.

Außerdem ist es höchst unbequem für andere, wenn wir uns selbst plötzlich wichtiger nehmen als sie, wenn wir z.B. nicht mehr bereit sind, Retter zu spielen, wenn wir uns nicht mehr manipulieren lassen. Denn damit dürfen unsere Mitmenschen sich ihrer Eigenverantwortung stellen. Und wenn wir ehrlich sind, sind wir auch nicht immer gern bereit, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Warum es so wichtig ist, deiner Wahrheit zu folgen

  1. Du hast das Recht auf eine eigene Meinung. Du hast das Recht, dich an die erste Stelle zu setzen, und das ist nicht egoistisch, im Gegenteil. Wenn du es nicht tust, wer tut es dann für dich? Niemand. Denn nur du bist für dich selbst verantwortlich. Und nur du weißt, was sich für dich stimmig anfühlt, was für dich stimmt. Nur du kannst dem Leben für dich antworten, also Verantwortung übernehmen, so wie jeder andere ebenfalls nur für sich dem Leben antworten kann.
  1. Wenn du andere versorgst, ihnen Verantwortung abzunehmen suchst, sie meinst, retten zu müssen, machst du sie klein. Du gibst ihnen zu verstehen, dass sie deiner Meinung nach nicht in der Lage sind, selbst für sich zu sorgen, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und damit entmündigst du sie letztlich.
  1. Wenn du deiner Wahrheit nicht folgst, wenn du dich gegen dein Gefühl weiter einschränken lässt, wird dein Körper reagieren, denn die Unterdrückung deiner Wahrhaftigkeit kostet dich viel Kraft.
  1. Indem du dir erlaubst, für dich und deine Wahrheit Verantwortung zu übernehmen, lebst du anderen vor, dass das möglich ist, ja, erlaubt ist. Damit ebnest du anderen den Weg, zu ihrer eigenen Wahrheit zu stehen, statt weiter in alten Rollen zu verharren.

4 Tipps zur Befreiung von alten Rollen

1. Dir die Erlaubnis geben

Wenn dir auch niemand sonst die Erlaubnis gibt, alte Rollen zu verlassen, so kannst du es tun. Du bist eh die wichtigste Entscheidungsinstanz in deinem Leben. Du entscheidest, denn du bist der Souverän deines Seins.

2. Deine Angst fühlen

Wenn du zu dir und deiner Wahrheit stehst, kommen all die alten Gefühle hoch, die du einst nicht zum Ausdruck bringen konntest. Heute kannst du für diese Gefühle da sein, du kannst sie dir erlauben, sie fühlen, dein Herz für sie öffnen, damit sie heilen können. Und so kann deine Kraft sich immer mehr befreien.

3. Dir Hilfe holen

Wenn alte Ängste hochkommen, musst du nicht allein da durchgehen. Du kannst dir Hilfe holen. Der neue Weg muss nicht schwer sein, mit Unterstützung kann er sehr viel leichter werden.

4. Klarheit gewinnen

Je klarer du dir deinen Weg zugestehst, desto leichter wird dein Weg. Solange wir ängstlich schauen, ob andere mit unserer Meinung, unseren Entscheidungen, unseren Handlungen einverstanden sind, werden wir Gegenwind erhalten. Sie zeigen uns dann nur, wie sehr wir selbst noch zweifeln, ob uns unsere Freiheit zusteht.

Wir stehen am Beginn einer neuen Zeit, die neue Rollen von uns verlangt.
Haben wir den Mut, immer mehr zu uns  zu stehen, damit wir unseren Kindern Vorbild sein können, von dem sie lernen können, dass es in Ordnung ist, selbstbestimmt zu leben, unsere Einzigartigkeit selbstverständlich zu leben, unsere Kraft und unser Potential zu entfalten zu unserem Wohl und dem Wohl des Ganzen.

 

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