Blog: Stille aushalten – oder sie nutzen und unserer Intuition wieder vertrauen lernen

von Christine Warcup (Kommentare: 0)


Kannst du Stille gut aushalten? Vielleicht suchst du sogar die Stille oder sehnst dich nach ihr.

Aber kannst du es gut aushalten, wenn eine Gesprächspause entsteht, wenn niemand mehr etwas sagt und keiner weiß, wie er sich verhalten soll?

Oder wenn du einen Vortrag halten sollst oder eine Gruppe anleiten sollst, und plötzlich fällt dir absolut nichts mehr ein?

Kannst du dann die Stille oder die Leere in dir gut aushalten (und sinnvoll nutzen)? Oder empfindest du es als Versagen, wenn dir nichts mehr einfällt?

Die Vorherrschaft des Verstandes

Die meisten von uns sind so trainiert, dass wir dem Wissen unseres Verstandes vertrauen. Und wenn der mal „aussetzt“, so empfinden wir das schnell als Versagen, als nicht schnell genug oder nicht klug genug sein.

Aber ist das wirklich so? Warum macht uns eine Gesprächspause manchmal so einen Stress? Warum meinen wir, unbedingt etwas (Schlaues) äußern zu müssen?

Nun, wir haben alle (oder fast alle) die Erfahrung gemacht, dass wir schnell die richtige Antwort, die schnelle Lösung finden mussten, um nicht dumm dazustehen, schlechte Noten zu kassieren oder lächerlich gemacht zu werden.

Wir brauchen Zeit, um uns zu spüren

Wenn wir aber gute Lösungen finden wollen, brauchen wir ein wenig mehr Zeit. Es reicht oft nicht, den Verstand zu befragen, wie wir es gelernt haben. Die wirklich guten Lösungen „fallen uns ein“. Und dazu müssen wir in gewisser Weise „offen“ sein. Das sind wir aber nicht, wenn wir angestrengt nach einer Lösung oder passenden Worten suchen. Und das sind wir schon gar nicht, wenn wir uns unter Zeitdruck fühlen.

Wenn wir in einer angespannten Gesprächssituation sind, brauchen wir Zeit (und Mut), uns zunächst einmal uns selbst zuzuwenden und zu schauen, wie es uns geht, was wir im Moment brauchen.  Stattdessen schauen wir meist, was die anderen von uns erwarten könnten, was sie über uns denken könnten …

Wir verlassen uns selbst mit unserer Aufmerksamkeit und können nicht mehr fühlen, was es in der jeweiligen Situation gerade braucht.

Aktionismus oder Erstarrung

Manche von uns reden in solchen Momenten irgendetwas, um die Spannung „wegzureden“. Und wenn wir das länger tun, kann das sehr anstrengend werden. Oder wir verfallen in eine andere Art des Aktionismus. Andere erstarren einfach innerlich und äußerlich. Kaum jemand aber ist in der Lage, in solchen Momenten einfach still zu sein – ohne Spannung, und einfach zu spüren, wie es gerade ist, in uns und um uns, genau in dieser Reihenfolge, in uns und um uns.

Wenn uns gerade nichts einfällt, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein anderer etwas Wichtiges mitteilen möchte, vielleicht im Moment dazu aber noch nicht den Mut aufbringt und einige Augenblicke braucht, um diesen Mut aufzubringen oder die passende Formulierung zu finden. Oder der andere braucht gerade Stille, Mitgefühl, ein Mit-ihm-sein, ein Mit-ihm-verbunden-sein.

Erst wenn wir innehalten, die Stille zulassen, können wir ein Gefühl dafür bekommen, was gerade „dran“ ist – Sein oder Tun.

Die Stille nutzen - ein Beispiel

Vor ein paar Monaten wollte ich an einem Meditationsabend nach der Einführungsrunde mit der gechannelten Meditation beginnen. Die Aufnahmetechnik war vorbereitet, aber ich hatte keinen Impuls anzufangen.

Also schaute ich in die Runde und fragte, ob noch jemand etwas ergänzen wollte. Keiner hatte etwas zu sagen. Ich hatte allerdings weiterhin keinen Impuls.

Früher hätte ich mir Sorgen gemacht nach dem Motto „Oje, mir fällt nichts ein, wie stehe ich da ….“. Heute weiß ich, dass mir in solchen Momenten aus gutem Grund nichts einfällt. Also fragte ich noch einmal nach. Keiner hatte etwas zu sagen.

Ich spürte noch einmal genauer in mich hinein – immer noch kein Impuls, mit dem Channeling anzufangen. Also äußerte ich genau dieses Empfinden und mein sicheres Gefühl, dass irgendetwas im gemeinsamen Raum noch geäußert werden wollte.

Und siehe da, eine Teilnehmerin äußerte nach kurzem Zögern unter Tränen, dass sie sich nicht getraut hatte, uns mitzuteilen, dass sie feinstoffliche Wesen im Raum wahrgenommen hatte.

Hätte ich meinen Impuls übergangen, hätte sie ihre Angst nicht überwunden, ihre Wahrnehmung zum Ausdruck zu bringen und nicht die Erfahrung  machen können, wie hilfreich ihre Wahrnehmung für andere sein kann.

Unserer Intuition wieder vertrauen lernen

Je öfter es uns gelingt, in herausfordernden Situationen innezuhalten, nach innen zu lauschen oder zu fühlen, um herauszufinden, wonach uns gerade ist, ob wir einen Impuls verspüren, zu handeln, zu reden oder nicht, desto sicherer können wir wieder in uns werden.

Doch dürfen wir geduldig mit uns sein, denn die meisten von uns hatten keine Vorbilder für ein solches selbstbewusstes Verhalten.

Und in manchen Situationen, die unangenehme Gefühle in uns triggern, dürfen wir besonders geduldig und mitfühlend mit uns sein und vertrauen, dass unsere Intuition sich immer klarer zeigt, je öfter wir ihr Gelegenheit dazu geben, je öfter wir uns erlauben, uns uns selbst liebevoll zuzuwenden.

 

 

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