Blog: Ein neues Ja zu mir selbst (und zu meinen Gefühlen)

von Christine Warcup (Kommentare: 0)


Kennst du das? Du unterhältst dich mit jemandem, stellst vielleicht eine Frage und bekommst eine patzige Antwort.

Du bist ein wenig überrascht, verstehst nicht, warum der andere so reagiert, fragst dich vielleicht sogar gleich, was DU falsch gemacht haben könntest – und wirst vorsichtiger.
Vermutlich kommst du erst einmal nicht auf die Idee, deine Überraschung zum Ausdruck zu bringen, ein aufkommendes Gefühl in dir zu benennen und/oder den anderen zu fragen, warum er so reagiert.

Bleibst du mit dir selbst in Kontakt?

Wenn du mit dir selbst in Kontakt bist, spürst du in einem solchen Moment nicht nur die Überraschung, sondern auch weitere Gefühle in dir wie z.B. Wut, Angst, vielleicht auch Schmerz oder auch Traurigkeit oder Frustration über die nicht gelingende Kommunikation.

Vielleicht hast du aber auch in deiner Kindheit gelernt, dass Gefühle und Emotionen schwierige Situationen nur verkomplizieren und hast somit trainiert, solche „Störfaktoren“ gar nicht mehr wahrzunehmen. Oder Erwachsene in deiner Umgebung waren so bedürftig, dass es für deine Gefühle keinen Raum mehr gab.

Benennst du dein Gefühl und denkst du darüber nach?

Wenn du deine Gefühle noch spürst, aus Gewohnheit aber beginnst, darüber nachzudenken, was da vielleicht schief gelaufen ist oder – wie gesagt – was du falsch gemacht haben könntest, bist du nicht mehr wirklich mit dir und deinem Gefühl verbunden.

Es findet eine Bewegung in dir statt, die der andere vielleicht sogar wahrnimmt, die er aber sehr wahrscheinlich nicht versteht, wenn du sie nicht benennst.

Und so sind der Interpretation Tor und Tür geöffnet nach dem Motto „Na, wertet sie mich gleich wieder ab?“ oder „Ist er jetzt sauer auf mich?“ „Was hat sie gegen mich?“ usw.

Wenn beide in der Interpretation verbleiben, gibt es keine Chance auf einen wirklichen Kontakt.

Wie reagierst du in der Regel?

Schau einmal bei dir selbst, wenn du magst, wie du in einer solchen Situation reagierst? Bist du in der Lage, zu sagen: „Ich bin überrascht über deine Antwort. Was ist los?“ Oder: „Ich spüre gerade das und das Gefühl in mir.“ Oder wenn die Antwort sogar einen Vorwurf oder Angriff beinhaltet hat: „Stopp, ich möchte nicht, dass du so mit mir redest. Warum tust du das?“

Oder hältst du dich zurück?
Wenn du dich zurückhältst, ist es sehr wahrscheinlich, dass du als Kind nicht lernen konntest, mit so einer Situation angemessen umzugehen, da du keine Vorbilder hattest, die dir das selbstverständlich vorgelebt haben.

Vielleicht hast du auch die Erfahrung gemacht, dass man dir Gefühle nicht zugestehen konnte, weil sie andere überfordert hätten.

Es sind und bleiben aber deine Gefühle. Sie sind da und wollen wahrgenommen werden, denn sie enthalten wichtige Informationen für dich. Und du bist und bleibst für deine Gefühle verantwortlich.

Wie wir wirklich in Kontakt kommen

Wenn du heute in Kontakt kommen möchtest mit Menschen, die dir wichtig sind, könntest du vielleicht damit beginnen, Gefühle, die du in dir wahrnimmst, in dem Moment zum Ausdruck zu bringen – möglichst ohne den anderen dafür verantwortlich zu machen. (Denn was für den einen eine Herausforderung ist, muss es für einen anderen noch lange nicht sein.)

Schau einmal, ob du dir das zugestehen kannst, ob du dir die Erlaubnis geben kannst, deine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Und wenn nicht - was hemmt dich?

Die Angst, nicht gut genug zu sein

Letztlich ist es bei vielen von uns die Angst, nicht gut genug zu sein, (wieder) etwas falsch gemacht zu haben. Wir vertrauen dann unseren Gefühlen nicht mehr oder meinen, ein Gefühl „begründen“ zu müssen, um das Recht auf unsere Gefühle zu haben. Dann halten wir uns zurück, bis so viel angestaut ist, dass eine Kleinigkeit reicht, das Fass zum Überlaufen zu bringen.

Doch als Menschen haben wir Gefühle, sie sind unser Navigationssystem, und sie sind in vielen Fällen eine Möglichkeit, uns mit anderen zu verbinden, mit uns und dem anderen „mitzufühlen“.

Ein neues klares Ja zu uns und unseren Gefühlen

Und so brauchen wir von uns selbst meist ein neues klares Ja zu uns und unseren Gefühlen, eine Erlaubnis, so zu sein, wie wir sind mit allem, was wir sind, auch mit all unseren Gefühlen und Empfindungen.

Und dann können wir immer mutiger werden, uns mitzuteilen, kurz und klar, so und so geht es mir, das und das fühle ich, hier ist meine Grenze, hier ist mein Raum. Ich respektiere ihn, und ich möchte, dass du ihn auch respektierst.
Und ich lade dich ein, mir mitzuteilen, wie es dir geht, wo deine Grenze ist.

Erst an den Grenzen kann wahre Begegnung stattfinden.

Erst wenn wir unsere Grenzen klar wahrnehmen und zu uns und unserem Raum stehen, können wir im Kontakt mit anderen bei uns bleiben und aus unserem Herzen, aus unserem sicheren Raum unseres Seins wirklich offen in Verbindung treten, ohne uns wieder zu verlieren.

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