Blog: Ein neuer Umgang mit dem inneren Antreiber

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Kennst du das? Du hast dir vorgenommen, ein paar Dinge zu erledigen. Und du spürst, dass du eigentlich gerade gar kein Gefühl dafür hast.

Das Sinnvollste wäre in so einem Moment, alles zur Seite zu legen, um nachzuspüren: Was ist jetzt dran? Was brauche ich jetzt? Was entspricht mir jetzt?

Vielleicht sollte ich einen Augenblick innehalten, vielleicht die Füße hochlegen. Vielleicht sollte ich mir einen Tee machen? Oder kurz hinausgehen, um meinen Kopf freizubekommen und meine Impulse wieder klar wahrnehmen zu können.

Der innere Antreiber

Stattdessen kommt da so ein Anteil daher, der sagt: Stell dich nicht so an, erledige es halt, dann hast du deine Ruhe. Außerdem musst vorankommen, von nichts kommt nichts etc.

Im schlimmsten Fall schiebst du die Arbeit, bzw. das, was du erledigen wolltest, stundenlang vor dir her, kriegst nichts geschafft, aber schaffst dich, da du dir auch nicht die Ruhe oder Auszeit gönnst, um wahrnehmen zu können, was gerade wirklich für dich ansteht.

Wenn mir so etwas passiert, bin ich am Ende des Tages höchst unzufrieden, da ich nichts oder nur wenig von dem geschafft habe, was ich gern erledigen wollte, was auf meiner TO-DO-Liste stand.

Immer öfter gelingt es mir allerdings auch, dann innezuhalten, mir eine Pause zu gönnen, etwas zu tun, was mir wirklich gut tut, wo ich meinen Kopf frei bekomme, neue Kraft tanke – ja, und dann flutscht die Arbeit anschließend natürlich meist viel schneller.

Manchmal brauche ich aber auch einfach nur Zeit und Ruhe für mich.

Neue Wege mit dem inneren Antreiber

Zunächst einmal dürfen wir das gnädig betrachten, um uns nicht als „faul“, „bescheuert“, „unfähig“ oder ähnlich Nettes zu verurteilen und zu beschimpfen, denn das würde uns noch mehr Kraft rauben. Wir dürfen sehen, dass wir keine Vorbilder hatten, die sich selbstverständlich liebevoll und mitfühlend behandelt haben, sondern wir haben Vorbilder gehabt, die mit viel Härte mit sich selbst umgegangen sind. Und da wir durch Nachahmung lernen, haben wir genau das gelernt.

Aber wir können neu entscheiden. Wir können eine mitfühlende, geduldige Sprache mit uns selbst lernen und uns (immer öfter) sagen, dass es in Ordnung ist, gerade kein klares Gefühl zu haben, nicht wirklich zu wissen, wie wir etwas handhaben sollen, dass es in Ordnung ist, sich nicht kraftvoll zu fühlen, dass es in Ordnung ist, sich gerade nicht gut konzentrieren zu können usw.

Den inneren Antreiber wertschätzen

Dann könnten wir einmal schauen: Wo hat uns der innere Antreiber unterstützt in unserem Leben? Wozu hat er mir verholfen? Was hätte ich ohne ihn gar nicht geschafft?

So können wir vielleicht den inneren Antreiber wertschätzen dafür, dass er uns davor bewahrt hat, in Schwierigkeiten zu geraten, uns Ärger einzuhandeln, da so zu unserem Schutz unserer innerer Widerständler und Aufschieber in manchen Momenten nicht die Oberhand bekommen konnte.

Vielleicht haben wir auch mit seiner Hilfe Dinge bewerkstelligen können, die von uns erwartet wurden, so dass wir die Anerkennung bekommen konnten, die wir gebraucht haben.

Ein neuer Umgang mit mir selbst

Zunächst einmal kann ich mir jedes Mal, wenn ich unzufrieden (mit mir selbst) bin, oder ärgerlich auf mich selbst oder andere bin, sagen „Das darf sein, dieses Gefühl, dieser Gedanke, diese Unlust, dieser Widerstand … darf sein.“

In dem Augenblick, in dem ich einverstanden bin mit dem, was ich gerade fühle, muss ich nicht mehr die Kraft aufbringen, das Gefühl zu unterdrücken. Also steht mir diese Kraft für anderes zur Verfügung, zum Beispiel dafür, eine neue Entscheidung zu treffen.

Und wenn ich gerade gar nicht einverstanden sein kann mit dem, wie es gerade in mir und/oder im Außen ist, kann ich entscheiden, damit einverstanden zu sein, dass ich gerade nicht einverstanden bin. Dann kann sich alles in mir wieder beruhigen.

Kleine Schritte zu einer neuen Routine

Ich kann entscheiden, mir für jeden Tag kleine Momente des Innehaltens als Routine einzubauen, z.B. morgens, bevor ich mit der Arbeit beginne, jedes Mal, wenn ich zur Toilette gehe, vor dem Essen, nach dem Essen, vor einem Anruf, den ich tätigen muss oder hinterher. Das kann eine Minute sein, in der ich mich auf mich selbst konzentriere, wieder bewusst mit mir selbst in Verbindung gehe, um zu spüren:

Was fühle ich? Was tut mir jetzt gut? Was MÖCHTE ich jetzt tun? Wohin zieht es mich? Was brauche ich jetzt? … und: Kann und will ich mir das erlauben? „Muss“ ich jetzt wirklich das tun, was ich mir vorgenommen habe, oder treibe ich mich jetzt gegen mein Gefühl nur aus Gewohnheit an, und gibt es vielleicht einen besseren Moment dafür?

Neue Entscheidungen

Und ich kann meine To-Do-Liste ändern, ich kann mich umentscheiden, neue Entscheidungen treffen. Ich „muss“ mich nicht sklavisch an einmal getroffenen Entscheidungen halten, wenn ich spüre, dass die Entscheidung mir nicht mehr entspricht. Ich kann immer neu entscheiden, ich habe immer die Wahl, - die Frage ist nur: Bin ich bereit, die Konsequenzen meiner Entscheidungen zu tragen?

Nach meinem Eindruck habe wir Deutsche eine gewisse Tendenz zur Härte, zum „Pflichtbewusstsein“, die uns manchmal die Leichtigkeit und die Offenheit für andere Möglichkeiten nimmt, während sich andere Kulturen in diesem Punkt im wahrsten Sinn des Wortes leichter tun.

In Zeiten des Umbruchs wissen wir manchmal einfach noch nicht, wie der nächste Schritt aussieht. Dann hilft uns Geduld mit uns selbst.

Und wir können tagtäglich entscheiden und üben, mit uns selbst geduldiger, mitfühlender, liebevoller zu sein und somit unsere wahre Kraft immer mehr zu entfalten.

Ich wünsche uns allen viel Erfolg mit diesem liebevollen Umgang mit uns selbst.

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