Blog: Die Heilkraft des Raumes der Erlaubnis zu sein – ein Weg zu mehr Leichtigkeit und Freude

von Christine Warcup (Kommentare: 0)


Hattest du als Kind die Erlaubnis zu sein?
Der oder die zu sein, der oder die du warst und bist?

Eine seltsame Frage?

Wie solltest du sein? Wie warst du „genehm“, „gut erzogen“, höflich, ordentlich? Warst du jemand, auf den man stolz sein konnte?

Was machen diese Fragen mit dir? Kannst du darüber lächeln?

So viele Ansprüche und Erwartungen an uns

Wenn wir einmal genau hinschauen, so können wir in den meisten Fällen sehen, dass unsere Eltern ganz bestimmte Erwartungen hatten (was sollen sonst die Nachbarn denken?).

Dazu gehörte, dass bestimmte Dinge nicht „erlaubt“ waren. Und ich meine damit nicht Dinge wie stehlen, lügen, die Gegenstände anderer beschädigen usw.

Ich meine damit, dass es keine Erlaubnis für bestimmte Gefühle oder besser Emotionen gab. In den meisten Familien war Wut nicht erlaubt, Hass schon gar nicht, oft genug auch keine Traurigkeit, keine Verzweiflung, keine Not. All das durfte nicht gezeigt werden.

Warum gab (und gibt) es keine Erlaubnis für bestimmte Emotionen?

Unsere Eltern (und Großeltern) haben Zeiten erlebt, in denen nur das Überleben zählte. Da war kein Platz für „schwierige“ Emotionen, die daher nicht gelebt werden durften, nicht gezeigt und damit letztlich auch nicht wirklich gefühlt und angenommen werden konnten.

Wenn Kinder Eltern haben, die viele Gefühle unterdrücken mussten, dann können diese Eltern ihre nicht integrierten Gefühle oder Emotionen bei anderen nicht ertragen.

Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen versuchen, weinende Babys so schnell wie möglich vom Weinen abzubringen, da die Tränen und der Schmerz der Babys all die ungeweinten Tränen und den nicht ausgedrückten Schmerz der Erwachsenen wachrufen.

Unterdrückte Gefühle binden sehr viel Kraft

So wurden viele Gefühle abgelehnt, zum Teil aus Selbstschutz, um nicht mit ungelösten Gefühlen überschwemmt zu werden. Doch darin steckt eine enorme Kraft, denn das Unterdrücken der Gefühle kostet viel Energie.

Und wenn wir dann noch bedenken, dass z.B. Wut eine wichtige Lebenskraft ist - (Aggression bedeutet eigentlich die Kraft, auf etwas zuzugehen), die uns befähigt, neue Schritte zu gehen, neue Erfahrungen zu wagen, so wird deutlich, wie wichtig es ist, diese Kraft zur Verfügung zu haben.

Wut wird von vielen Menschen verteufelt, weil sie letztlich Angst vor der unbändigen Kraft haben, die in unterdrückter Wut steckt.

Wenn die Lebenskraft der Wut jedoch frei fließen kann, wenn sie nicht immer wieder unterdrückt wird, ist sie nicht gefährlich. Erst wenn sie gestaut ist, kann sie sich mit Macht Bahn brechen – wie ein Vulkan.

Und so ist es letztlich mit allen unterdrückten Gefühlen. Problematisch wird es meist erst dann, wenn sie keinen Raum bekommen, wenn sie wieder und wieder zurückgedrängt werden, bis die Kraft nicht mehr ausreicht, sie zu unterdrücken.

Wir tragen so viele unerlöste, zurückgestoßene Anteile in uns.

Wenn wir einmal sehen könnten, wie viele ungeliebte, zurückgestoßene Anteile wir in uns tragen, ich glaube, wir wären entsetzt.
Darunter sind auch wichtige Anteile unserer Kraft, unserer Größe, die auch nicht sein durften, die sich auch nicht zeigen durften, da unsere Bezugspersonen ihre Kraft und Größe auch nicht leben konnten. Und so wären unsere natürliche Kraft und Größe für sie bedrohlich gewesen.

All diese Anteile brauchen unsere Zuwendung. Sie brauchen unsere Erlaubnis, sich wieder zeigen zu können, und sie brauchen unsere liebevolle Akzeptanz.

Der Raum der Erlaubnis zu sein hat eine enorme Heilkraft.

Wenn wir uns einmal vorstellen, wie oft bestimmte Anteile in uns zurechtgewiesen, verurteilt, bestraft, beschimpft oder verachtet worden sind, so können wir beginnen, zu verstehen, dass diese Anteile sich oft gar nicht mehr ins Licht unserer Bewusstheit wagen.

Sie wollen nicht wieder verstoßen werden, nicht wieder verurteilt werden, also zeigen sie sich nicht offen, sondern wirken im Verborgenen. (Wenn z.B. Wut nicht offen gelebt werden kann, zeigt sie sich oft in Bissigkeit, in spitzen Bemerkungen.) Das ist letztlich nicht viel besser, es scheint nur besser – an der Oberfläche.

Was diese Anteile brauchen, ist ein Raum, in dem sie sein dürfen, in dem sie langsam wieder das Vertrauen gewinnen können, dass sie sich zeigen dürfen, ohne wieder „einen auf den Deckel“ zu bekommen.

Ein solcher Raum ist der Raum der Erlaubnis zu sein.

Wie geht das in der Praxis?

Wenn uns bewusst wird, dass es all diese Anteile in uns gibt, so ist das der erste Schritt. Dann gilt es anzuerkennen, dass diese Anteile keinen Ausdruck finden durften, dass sie also Zeit brauchen, um wieder Vertrauen und den Mut entwickeln zu können, sich Schritt für Schritt zu zeigen.

Das heißt, es braucht einen mitfühlenden, geduldigen und barmherzigen Blick auf diese Anteile von uns. Mein Mantra der letzten Jahre heißt bei herausfordernden Gefühlen:

„Das darf in mir sein“, diese Wut, dieser Schmerz, dieses Gefühl von Hass, aber auch diese Kraft, diese Größe, dieses Talent, dieses Potenzial, diese Leichtigkeit, diese Freude. „Das darf sein“, immer wieder, „das darf sein, auch dieses lange verbotene Gefühl, es darf sein“.

Durch diese Erlaubnis zu sein können sich diese Anteile wandeln von verstoßenen zu angenommenen Anteilen, bzw. Gefühlen oder Emotionen. Und das ist Heilung, tiefste Heilung.

Sich Unterstützung erlauben

Und es ist erlaubt, sich Unterstützung zu holen. Wir müssen nicht alles allein „hinkriegen“, denn das bedeutet oft Kampf mit unseren Anteilen. Erlauben ist kein Kampf. Erlauben bringt Entspannung und immer mehr inneren Frieden, mehr Leichtigkeit und Freude, und es ist nicht anstrengend. Doch das sind wir einfach nicht gewohnt.

In meiner Arbeit öffne ich in bestimmten Einzelsitzungen den Raum der Erlaubnis für meine Klienten. Und je nachdem, was die Seele oder die innere Weisheit des Klienten bereits erlaubt, können sich Schritt für Schritt einst verbotene Anteile zeigen, können wahrgenommen und gefühlt und damit integriert werden. Und somit steht die vorher gebundene Kraft den Menschen wieder zur Verfügung.

Mit jedem Schritt der Erlaubnis kann unser wahres Selbst immer mehr zum Vorschein kommen, unsere wunderbare Einzigartigkeit. Und so können immer mehr Leichtigkeit und Freude in unser Leben Einzug halten.

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