Blog: 6 Gründe, warum es uns so schwerfällt, Anerkennung und Wertschätzung anzunehmen

von Christine Warcup (Kommentare: 0)


Kennst du das? Du sagst jemandem, wie sehr du seine Arbeit oder eine Fähigkeit schätzt, und der andere kann dir nicht einfach freudig danken, sondern wehrt das Kompliment eher ab mit einem Kommentar wie „Das ist doch nichts Besonderes“ oder „Das können andere doch auch“ o.ä.

Oft drehen sich Menschen sogar ein wenig weg von der anerkennenden Person, manche machen sogar eine abwehrende Handbewegung. Die wenigsten können das Kompliment oder die Anerkennung, die Wertschätzung wirklich annehmen.
Warum ist das so?

6 Gründe:

1. Mangelbewusstsein

Wir sind es gewohnt, auf das zu schauen, was noch fehlt, auf den „Fehler“, statt auf das zu schauen, was uns bereits gelingt oder gelungen ist. Somit haben wir ein Mangelbewusstsein entwickelt, das es uns sehr schwer macht, das zu sehen und wertzuschätzen, was wir bereits erreicht oder geschafft haben

2. Die Werte der Leistungsgesellschaft

Wir sind es nicht gewohnt, ehrliche, authentische Anerkennung zu erhalten. Wir leben in einer Kultur, in der „Leistung“ verlangt wird, in der wir „gut“ sein müssen, möglichst sogar „besser“. Folglich gehen wir davon aus – meist unbewusst -, dass wir Anerkennung erst verdienen, wenn wir „perfekt“ sind, wenn man nichts mehr kritisieren kann.

3. Beschämung

Die Erfahrung, die wir z.B. in der Schule gemacht haben, dass „nicht gut genug sein“ zu Beschämung führen kann, hat unsere Angst vor Fehlern oder dem „nicht gut genug sein“ wachsen lassen. Als Folge haben wir häufig die Tendenz, tiefzustapeln bzw. unsere Leistung herabzuwürdigen, bevor ein anderer sie kritisieren kann, sozusagen als Selbstschutz.

Und genauso kritisieren wir andere, setzen ihre Leistung herab, nicht zuletzt, um uns selbst dabei in wenig zu erhöhen, um nicht ganz so schlecht dazustehen, wie wir uns oft selbst sehen.

 

4. Die Tendenz, uns zu vergleichen

Ein anderer Grund ist unser Hang zu Vergleichen: Wie oft vergleichen wir uns mit anderen! „Oh, wenn ich das oder das hätte oder könnte, dann wäre ich richtig gut oder stark oder wissend oder schön, auf jeden Fall viel besser als ich bin.“

Wenn wir uns mit anderen vergleichen, können wir nur verlieren, denn wir können niemals so einzigartig sein wie andere. Wir können nur einzigartig wir selbst sein mit all unseren Talenten und Begabungen, die uns leicht fallen, weil es eben unsere einzigartigen Talente und Begabungen sind (auch wenn wir sie selbst gar nicht wertschätzen).

Wenn andere sich mit uns vergleichen, geht ihnen das ebenso, sie können in ihren Begabungen niemals so einzigartig sein wie wir. Sie werden im Vergleich immer 2. Wahl bleiben.

Und da wir uns so oft vergleichen, halten wir uns wieder für „nicht gut genug“ und daher nicht der Anerkennung wert.

5. Frühe Erfahrungen

Die Ursache für die Unfähigkeit, Anerkennung wirklich in uns aufzunehmen, liegt häufig in sehr frühen Erfahrungen:

In unserer frühen Kindheit haben wir oft nicht die Erfahrung machen können, bedingungslose Liebe und Anerkennung für unser Sosein zu erhalten. Und das nicht, weil die Eltern uns nicht geliebt hätten, sondern weil sie so sehr mit ihren eigenen Herausforderungen, Ängsten, Nöten und Traumen beschäftigt waren (insbesondere in der Nachkriegszeit), dass sie einfach nicht die innere Kapazität hatten, uns die Anerkennung und Liebe zu geben, die wir gebraucht hätten, um uns im tiefsten Sein geliebt zu fühlen.
So haben wir uns häufig an die Bedürfnisse und Erwartungen unserer Eltern angepasst und haben dann ihre Liebe und Anerkennung für unsere Anpassungsleistung erhalten. Doch unser Innerstes hat stets auf die bedingungslose Liebe und Anerkennung für unser Sosein gewartet.

6. Authentische Anerkennung aus dem Herzen löst alten Schmerz in uns aus

Wenn wir heute Anerkennung aus dem Herzen erhalten, werden wir mit dem alten Mangel in uns konfrontiert, dem Mangel an bedingungsloser Liebe und Anerkennung für unser Sosein. Und dieser Mangel ist eine tiefe Wunde in uns.

Diese Wunde beginnt zu schmerzen, wenn sie wieder aktiviert wird, wenn man uns das entgegenbringt, was wir uns so sehnlich wünschten und wünschen. Und so wehren wir die Anerkennung und den damit verbundenen Schmerz ab.

Und ich denke, dass wir tief in uns wissen, dass es heute nicht mehr möglich ist, den alten Mangel in uns von außen zu beheben, da wir keine Kinder mehr sind. Nur wir selbst können den Mangel in uns heilen, indem wir beginnen, Anerkennung für uns selbst anzunehmen.

Wie können wir lernen, Anerkennung und Wertschätzung anzunehmen?

Wenn wir einmal erkannt haben, dass wir den alten Mangel in uns nur selbst heilen können, dann können wir beginnen, uns selbst Anerkennung und Wertschätzung zu geben, den alten Mangel in uns aufzufüllen mit Anerkennung für uns selbst.

Probiere es einmal aus. Anerkenne dich eine Woche lang täglich für alles, was dir gelingt, für jedes Kompliment, jedes freundliche Wort, jede freundliche Geste, die du erfährst. Schreibe es dir auf und danke deiner weisen Schöpferkraft für diese Erfahrungen.

Und dann schau, was geschieht. Wenn du selbst erfüllt bist von deiner eigenen Anerkennung und Wertschätzung, wird das Außen dir das spiegeln. Du wirst immer mehr Wertschätzung erfahren, weil du sie dir selbst geben kannst. Das ist das Gesetz der Resonanz.

Doch sei geduldig mit dir: Wenn du es nicht gewohnt bist, dich selbst anzuerkennen und wertzuschätzen, wirst du merken, dass die Sprache der liebevollen Anerkennung für dich selbst eine Fremdsprache für dich ist, die du nicht in ein paar Tagen lernen kannst. Es braucht Übung, um diese Sprache zu lernen. Und es lohnt sich!

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